Flow-Zustand: Wie ich ihn in meinem kreativen Alltag finde.

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten.

Es gibt (finde ich) wenig Dinge, die so schön sind, wie voll und ganz im “Flow” zu sein. Doch im Alltag kommt es leider relativ selten dazu, da man ständig durch irgendetwas abgelenkt wird – sei es von KollegInnen oder dem Smartphone, das ständig in Reichweite ist. Seitdem ich jedoch an ein paar Rädchen in meinem Alltag gedreht habe, klappt das mit dem Flow eigentlich (fast) immer. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir, wie ich das geschafft habe.

In diesem Beitrag:
– Was ist der “Flow-Zustand”?
– Was hat Neugier mit dem Flow zu tun?
– Wie kann ich lernen, mir die richtigen Fragen zu stellen?
– Wie schaffe ich mir eine Oase der Konzentration?

Was ist der “Flow”?

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, Soul (2020), beschreibt den Flow als einen Zustand, in dem sich die Seele voll und ganz in einer anderen Welt befindet. Der Flow wird im Film als außerkörperliche Erfahrung dargestellt. Man wird in eine andere Dimension versetzt, in der es nur noch um einen selbst und seine Arbeit geht.
Kurz gesagt: Man ist im Flow, wenn man voll und ganz in einer Tätigkeit aufgeht, total konzentriert ist und einem die Konzentration dabei nicht schwerfällt. Außerdem existiert die Zeit plötzlich nicht mehr und die Tätigkeit selbst ist die Belohnung.  

Denkt man an den Flow, hat man häufig das Bild von kreativen Menschen bei der Arbeit vor dem inneren Auge, dabei kann der Flow so gut wie bei allem auftauchen. Entscheidend ist paradoxerweise nicht die Tätigkeit selbst, sondern die innere Einstellung dazu. Was genau ich damit meine, kannst du im folgenden Abschnitt lesen.

Was hat Neugier mit dem Flow zu tun?

Gleich eines vorweg: Neugier ist etwas Gutes! Ich bin, wie man auf österreichisch sagt, eine “Neugierdsnase” und finde, dass das eine meiner besten Eigenschaften ist. Leider wird Neugier häufig als etwas Negatives gesehen, da man damit Übergriffigkeit verbindet – was meiner Meinung nach zwei komplett verschiedene Dinge sind. Neugier beschreibt für mich folgendes: man will sich erkundigen, etwas Neues lernen, sich etwas aneignen oder interessiert sich einfach für seine Umwelt oder Mitmenschen – und das ist erstmal was Gutes, vor allem in einer emotional abgestumpften Welt. Steckt man seine Nase jedoch in Angelegenheiten, die einen persönlich wirklich nichts angehen, und zwingt einem obendrein noch die eigene Meinung auf, dann ist das übergriffig.

Bestimmt hast du im Leben schon mal die Worte “sei nicht so neugierig” gehört, dabei ist Neugier der Zündschlüssel für den Motor des Lernens in unseren Köpfen, zumindest ist es das oftmals, bis man in die Schule kommt. Dort geht es nämlich leider viel zu selten darum, die richtigen Fragen zu stellen, sondern darum, in Antworten zu denken. Das liegt jedoch nicht an den Lehrkräften, sondern am System selbst. Als Erwachsene müssen wir daher die Fähigkeit des Fragenstellens erst wieder erlernen, denn der Flow ist nichts, was einfach so passiert, sondern ist oft das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema. Und diese Auseinandersetzung beginnt immer mit Neugier – mit einer Frage. Ohne eine Frage, die uns wirklich interessiert, finden wir selten die Motivation für die tiefe Konzentration, die Flow erfordert.

Wie kann ich lernen, mir die richtigen Fragen zu stellen?

Wenn du anfängst dich mit einem Thema näher auseinanderzusetzen, ist der erste Impuls wahrscheinlich zu googeln oder ein “Brainstorming” zu machen. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem “Questionstorming”? Statt dem bekannten Brainstorming, in dem bereits (halb)fertige Ideen gesammelt werden, wäre es oftmals effektiver, erstmal Fragen zum Thema zu sammeln. Denn niemand muss sich dafür schämen, eine Frage zu stellen. In einem Questionstorming wird von niemandem erwartet, dass er sich Lösungen ausdenkt oder eine tolle Idee hat. Es reicht, wenn jeder sagt, was er sich fragt, oder was er nicht versteht. Die Hemmschwelle, etwas beizutragen, sinkt und das Entdecken wird gefördert. Mit der Zeit lernst du, wie du die Fragen stellen musst, um die gewünschte Antwort zu erhalten und hast zudem viel mehr Verständnis für ein Problem, als wenn du gleich nach der Lösung gesucht hättest. Hier ein Beispiel:

Wenn du das Fundament eines Problems verstehen willst, frage nach dem “Warum?”
Beispiel: Ein Entwurf kommt beim Kunden nicht an. Statt gleich einen anderen Entwurf zu liefern, frage dich zuerst: Warum kommt dieser Entwurf beim Kunden nicht an? Die Antwort darauf kannst du dir selbst geben oder auch den Kunden direkt fragen – in beiden Fällen erhältst du ein klareres Bild davon, was wirklich gewünscht wird und kannst beim nächsten Lösungsansatz auf Dinge achten, die dir sonst entgangen wären.

Um alte Denkmuster aufzubrechen, frage dich “Warum nicht?” und ein “Was, wenn…?” hilft dir, kreative Lösungen zu entwickeln. Experimentiere einfach ein bisschen herum und schon kannst du dich mitten im Flow wiederfinden. Doch selbst die beste innere Einstellung schafft den Sprung zum Flow nicht, wenn das Äußere nicht mitspielt. Wenn der Geist also bereit ist, braucht er nur noch den richtigen Raum, um wirklich abzuheben.

Wie schaffe ich mir eine Oase der Konzentration?

Nachdem du den mentalen Rahmen geschaffen hast, in den Flow zu kommen, geht es nun um die äußeren Bedingungen. Denn Flow braucht vor allem Eines: Schutz vor Ablenkungen. Wie du dir diesen Schutz schaffst, kann sehr individuell sein. Hier jedenfalls ein paar Tipps wie ich mir am liebsten eine Oase der Konzentration schaffe:

Als erstes steht bei mir der physische Raum an. Nachdem ich hauptsächlich am Schreibtisch arbeite, achte ich als erstes darauf, dass dieser auch schön aufgeräumt, sauber und arbeitsbereit ist. Das bedeutet nicht, dass ich sofort jeden freiliegenden Zettel gleich einordne, sondern ich habe eine “zu ordnen” Box in meinem Büro (okay, es sind 3), in die ich alles hineingebe, was gerade keine Zeit oder Priorität hat. Wenn ich dann mal wieder am Prokrastinieren bin, räume ich die Box dann auf und ordne alles ein. Aber für den Moment habe ich einen aufgeräumten Arbeitsplatz. Steht nichts mehr herum, wische ich auch einmal drüber. Zum Schluss achte ich auch noch auf die richtige Beleuchtung und schalte den Diffusor mit Zitrusdüften ein. Wichtig ist dabei vorher an alles zu denken, was mich ablenken und vom Schreibtisch wegbewegen könnte. 

Dann kümmere ich mich um meinen digitalen Raum. Dazu lege ich zuerst mein Handy zwei Räume weiter oder an einen unüblichen Ort (letzteres führt dann oft dazu, es stundenlang nicht mehr zu finden), denn nichts killt den Flow so sehr wie belanglose Benachrichtigungen oder die Möglichkeit zu haben, ein neues lustiges Video anzusehen (Stichwort: Social Media Doom Scrolling). Danach kümmere ich mich um den richtigen Soundtrack. Ich liebe Lo-Fi Playlists auf YouTube. Am meisten mag ich dabei Lo-Fi Musik aus Videospielen oder Serien (9 von 10 entscheide ich mich dabei für Animal Crossing Lo-Fi). Außerdem setze ich mir noch einen Timer. Das hilft mir dabei, die Zeit (trotz Flow) im Auge zu behalten und gleichzeitig die Gewissheit zu haben, dass ich für diese Zeitperiode nichts anderes zu tun habe als die vorliegende Aufgabe. Zudem formuliere ich für jede Arbeitseinheit ein einziges, klares Ziel. Man kann nicht in den Flow kommen, wenn man nicht weiß, was man eigentlich tun will. 

Ich hoffe, ich konnte dir, liebe Leserin, lieber Leser den Flow etwas näher bringen mit diesem Blogbeitrag. 🙂

Welche Warum nicht?-Frage wirst du dir bei deinem nächsten Projekt stellen, um festgefahrene Ideen aufzubrechen? Schreib es mir in die Kommentare!

– Karo

Quellen

Berger, W. (2015). Die Kunst des klugen Fragens: So wecken Sie Ihre Neugier und Kreativität. Redline Verlag.

Grant, A. (2021). Think Again: The Power of Knowing What You Don’t Know. Viking, Penguin Random House.


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